Ein individueller Abschied

Maßgeschneiderte Lösungen werden zum Standard bei modernen Trauerblumenarrangements. Hinterbliebene entscheiden sich immer häufiger für Farben, Formen und Materialien, die zu der Person passen, von der sie Abschied nehmen. Eine handgeschriebene Botschaft, eine geliebte Blume oder eine überraschende Präsentation machen den Unterschied. Gleichzeitig entstehen neue Lösungen rund um Wiederverwendbarkeit, biologisch abbaubare Materialien und Naturfriedhöfe. Diese Sonderausgabe zeigt, wie aktuelle Entwicklungen und einfallsreiches handwerkliches Können in Blumenarrangements zusammenfließen, die nicht nach festen Konventionen, sondern ausgehend von einer persönlichen Geschichte gestaltet werden.

Herbst in Bewegung

Der diesjährige Herbst dreht sich um mehr als nur warme Farben und typische saisonale Materialien. Neue Konstruktionen erweitern die Grenzen des Blumenstraußes, während 3D-Techniken und wiederverwendbare Untergründe Raum für eine andere Art des Entwerfens und der Herstellung bieten. Materialien aus der Natur treffen auf gezüchtete Blumen; großzügige Blickfänge erhalten kompakte, kommerziell zugängliche Varianten. So wird die Saison zu einem Experimentierfeld für Ausgewogenheit, Form und Technik. Diese Sonderausgabe zeigt, wie Experimentierfreude und Handwerkskunst der Herbsttradition neue Impulse geben.

Freistehende Blumensträuße

„Eine auffällige Entwicklung in der Blumenkunst ist das Aufkommen freistehender Blumensträuße. Das fasziniert mich, weil es dazu herausfordert, genauer zu definieren, was ein Blumenstrauß eigentlich ist. Das Konzept hat seinen Ursprung in den gebundenen Arbeiten aus „Standing Ovations“ von Gregor Lersch, in denen botanische Materialien an Konstruktionen befestigt wurden. Inzwischen haben Designer wie Lersch und Frédéric Dupré diese Technik in Richtung Blumenstrauß weiterentwickelt.“

Während des „International Floristry Teacher Seminar 2025“ einigten sich internationale Floristikdozenten an unserer Schule auf folgende Definition eines handgebundenen Straußes: in der Hand gebunden, mit einem dominanten Bindungspunkt, wobei die Blumen mit Wasser versorgt werden können und die Form erhalten bleibt, wenn der Strauß vom Bindungspunkt wegbewegt wird.

Diese Definition lässt die Wahl der Technik noch offen: Getreidegarbe, parallel oder beispielsweise an einem Punkt gebunden. Egal, wofür man sich entscheidet – wichtig sind handwerkliches Können, Haltbarkeit, Respekt vor dem Material und eine ansprechende Ästhetik. Dennoch wird es weiterhin Diskussionen geben: Wann ist etwas tatsächlich „handgebunden“? Wie viele Röhrchen dürfen darin sein?

Gerade das Ausloten der Grenzen und die damit verbundene Freiheit machen freistehende Blumensträuße interessant und führen zu überraschenden Entwürfen: Floristen können mit Gleichgewicht, Proportionen und Aufbau experimentieren. Diese Technik findet mittlerweile auch in verschiedenen Ausbildungsgängen des Boerma-Instituts Beachtung.

„Was nicht draufsteht, kann man nicht verkaufen“

Großformatige Blumenarrangements können laut der Floristikdesignerin Hanneke Frankema durchaus auch kommerziell erfolgreich sein. Als sie noch ein Geschäft in Friesland hatte, verkaufte sie auch großformatige Arrangements. Diese zogen im Schaufenster oder auf einem Präsentationstisch sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Nicht jeder Kunde hat dafür den Platz oder das Budget, aber genau deshalb stellte Frankema kleinere „Brüder und Schwestern“ daneben: erschwingliche Varianten mit derselben Formensprache.

In ihrer Herbstserie kehrt dieses Prinzip wieder. Ein großes Objekt mit 3D-gedruckten Ahornblättern erhält kompakte Gegenstücke auf einem schlichteren Sockel. Lampions treten sowohl als großzügiger Blickfang als auch in kleinerem Format in Erscheinung. Auch die mit einem 3D-Stift gefertigten Rahmen wurden in einer Maxi- und einer Mini-Version umgesetzt. Technik und Materialcharakter bleiben erkennbar, während sich Format, Anzahl der Blumen und Produktionszeit ändern.

Die Arbeitsweise erfordert zwar Vorbereitung, bietet laut Frankema aber auch kommerzielles Potenzial. Wiederverwendbare Rahmen und Untergründe können in ruhigen Zeiten serienmäßig hergestellt und später erneut befüllt werden. In ihrem Geschäft verkaufte sie die kleinen Ausführungen einzeln und als Set. Die großen Werke lockten Kunden zur Präsentation an; die kleineren Objekte ermöglichten die Anpassung an unterschiedliche Budgets und Räume. Ihre Erfahrung: „In manchen Fällen ist Masse doch wirklich Kasse.“

„Es fasziniert mich, dass man immer etwas Neues schaffen kann.“

„Nach Abschluss meiner Floristikausbildung und meiner Meisterprüfung habe ich vor achtzehn Jahren als Freiberuflerin für große Hochzeiten, Messen und Unternehmen angefangen. Es fasziniert mich, dass man immer etwas Neues kreieren kann. Die Möglichkeiten sind endlos. Meine Inspiration hole ich mir überallher: aus der Natur, beim Reisen, aus den Jahreszeiten, aus den sozialen Medien oder einfach bei einem Spaziergang durch den Wald oder die Schlossgärten. Ich kombiniere Farben, Formen und Materialien in meinem Kopf und mache mich dann an die Arbeit.“

„Ich liebe es, gezüchtete Blumen mit Materialien aus der Natur zu kombinieren. Was man in der Natur findet, bekommt man nicht auf der Auktion, und was man auf der Auktion bekommt, findet man nicht in der Natur. Ich selbst liebe Orchideen, verschiedene Arten mit schönen Farben. Die verwende ich am liebsten in jedem Gesteck. Auch mein Wohnzimmer ist voller verschiedener Orchideenarten, die ich dann wieder zum Blühen zu bringen versuche.“

„Blumenarrangements dürfen auch eine Geschichte erzählen“

„Ein wichtiger Teil unserer Arbeit sind Trauerfloristik. Gerade dabei merke ich, wie besonders der Beruf des Floristen sein kann“, erzählt Pascal Zijlmans. „In einem der intensivsten Momente im Leben dürfen wir etwas schaffen, das Trost spendet, Erinnerungen verkörpert und Persönlichkeit zum Ausdruck bringt.“ Für ihn geht es bei der Trauerfloristik daher um Persönlichkeit, Bedeutung und Erlebnis. „Ein Gesteck muss wirklich zu der Person passen, für die es angefertigt wird. Als Florist kann man in einem so intensiven Moment noch etwas bewirken. Darin liegt eine enorme Kraft unseres Berufs.“

Pascal findet seine Inspiration in erster Linie bei den Menschen. „Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charakter und seine eigenen Erinnerungen. Das versuche ich in meiner Arbeit zum Ausdruck zu bringen.“ Auch die Natur ist eine wichtige Inspirationsquelle. Er arbeitet gerne mit natürlichen Blumen, Pflanzen und Materialien und nutzt deren vielfältige Formen, Farben, Strukturen und Bewegungen. „Ich finde es schön, wenn ein Arrangement nicht zu perfekt oder gekünstelt wirkt, sondern geradezu natürlich und einzigartig.“

Pascal sieht ein wachsendes Bedürfnis nach Erlebnis und Sinn. „Die Menschen wollen nicht nur das Endergebnis sehen. Sie finden es auch interessant zu sehen, wie etwas entsteht und mit welcher Sorgfalt und Fachkenntnis es hergestellt wird.“ Darüber hinaus stellt er ein gesteigertes Interesse an natürlichen und biologisch abbaubaren Materialien fest. „Die Zukunft des Floristikberufs liegt nicht nur im Gestalten schöner Blumenarrangements, sondern vor allem darin, Geschichten zu erzählen, Erlebnisse zu schaffen und persönliche Aufmerksamkeit zu schenken.“

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