Die Kap-Floraregion umfasst zwar nur einen kleinen Teil Südafrikas, beherbergt jedoch mehr als neuntausend Pflanzenarten, die fast nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen. Das Gebiet zeichnet sich durch karge Sandböden, trockene Sommer, milde, feuchte Winter und ein abwechslungsreiches Relief mit Bergen und Tälern aus. Hinzu kommen zwei weitere wichtige Faktoren: Wind und Feuer. Regelmäßige Naturbrände sind seit Jahrhunderten Teil des Ökosystems und regen viele Fynbos-Arten sogar dazu an, erneut zu keimen.
Auch im kleineren Maßstab ist der Einfluss der Natur groß. Jeder Berghang hat sein eigenes Mikroklima. Eine Sorte, die an einem Standort hervorragend gedeiht, kann sich nur wenige Kilometer weiter kaum entfalten. Das erklärt, warum viele Arten so stark an ihren natürlichen Lebensraum gebunden sind. Die Natur ist hier buchstäblich die Grundlage für das Endprodukt.
Mit der Natur arbeiten
Während viele Schnittblumen in Gewächshäusern angebaut und durch Licht und Temperatur gesteuert werden können, folgt Fynbos hingegen dem Rhythmus der Jahreszeiten. Die Sträucher wachsen im Freien und bleiben oft acht bis fünfzehn Jahre lang am selben Standort stehen. Der Zeitpunkt, zu dem die Blumen blühen, wird durch Regen, Temperatur und Tageslänge bestimmt. Keine einzige Jahreszeit verläuft genau gleich.
Für die Züchter ist das keine Einschränkung, sondern vielmehr der Ausgangspunkt ihrer Arbeitsweise. Anstatt die Natur zu lenken, versuchen sie, sie so gut wie möglich zu verstehen. Sie wählen sorgfältig aus, welche Arten an welchem Standort gepflanzt werden, und lassen dann die Landschaft ihre Arbeit tun. Der Züchter unterstützt den natürlichen Prozess, übernimmt ihn aber nicht. Gerade dadurch behalten die Blumen ihre charakteristischen Formen, Farben und Strukturen. Das bedeutet auch, dass die Saison nie vollständig vorhersehbar ist. Regen, Temperatur und Tageslänge bestimmen, wann eine Sorte blüht, wodurch die Verfügbarkeit von Jahr zu Jahr um einige Wochen variieren kann.
Handwerkskunst
Dass die Natur eine große Rolle spielt, bedeutet nicht, dass der Züchter untätig bleibt. Im Gegenteil: Hinter jeder Blume steckt jahrelange Handwerkskunst. Wer durch eine Fynbos-Gärtnerei geht, sieht das schon früh in der Saison. Sobald sich eine Blütenknospe entwickelt, wird sie oft mit einem feinen Schutznetz umhüllt. Das verhindert Schäden durch Vögel, starken Wind, grelle Sonne oder Insekten.
Dabei erfordert die Entwicklung neuer Sorten sehr viel Geduld. Eine vielversprechende Auswahl wird zunächst umfassend auf Eigenschaften wie Stielqualität, Blütenform und Ertrag getestet. Erst danach erfolgt die Vermehrung durch Stecklinge und schließlich die kommerzielle Anpflanzung. Zwischen der ersten Auswahl und der Einführung einer neuen Sorte können leicht zehn Jahre vergehen.
Auch während des Anbaus spielt die Natur weiterhin eine entscheidende Rolle. Bei manchen Arten entfernen die Züchter bewusst eine Blütenknospe, damit sich die verbleibende Blüte optimal entwickeln kann. Solche kleinen Eingriffe erfordern Erfahrung und sorgen letztendlich für die Qualität, die der Florist erhält.
Arbeiten mit Fynbos
Gerade diese natürlichen Eigenschaften machen Fynbos für Floristen so attraktiv. Fynbos zeichnet sich durch kraftvolle Silhouetten, ausgeprägte Texturen und eine außergewöhnlich lange Haltbarkeit aus. Darüber hinaus bringen Arten wie Protea, Serruria und Leucadendron eine Form und Struktur mit, die sich deutlich von traditionellen Schnittblumen wie Rosen oder Chrysanthemen unterscheiden. Dadurch verleihen sie jedem Arrangement sofort einen ganz eigenen Charakter.
Die Blumen verleihen einem Arrangement Struktur und lassen sich mühelos sowohl mit frischen als auch mit getrockneten Materialien kombinieren. Dadurch passen sie ebenso gut in natürliche Feldblumensträuße wie in moderne, architektonische Arrangements.
Auch die Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Da die Pflanzen im Freien in ihrem natürlichen Lebensraum wachsen, wird kaum Energie für die Klimatisierung benötigt. Viele Unternehmen arbeiten zudem nach international anerkannten Nachhaltigkeitsstandards, darunter die FSI-Zertifizierung, und investieren seit Jahren in die Züchtung sowie in einen schonenden Umgang mit Boden, Landschaft und Mitarbeitern.
Blumen mit einer Geschichte
Vielleicht ist das ja die größte Stärke des Fynbos. Jeder Stiel trägt den Charakter der Landschaft, in der er entstanden ist. Die Kombination aus Natur, Geduld und
handwerklichem Können bringt Blumen hervor, die nicht nur besonders schön zu verarbeiten sind, sondern auch eine Geschichte erzählen.
Für den Floristen ist das mindestens genauso wertvoll wie die Blume selbst. Denn wer die Herkunft seiner Materialien kennt, betrachtet Form, Textur und Verwendung mit anderen Augen. Und genau das macht aus einer besonderen Blume ein besonderes Design.
Die FM Group importiert diese südafrikanischen Produkte direkt von spezialisierten Züchtern und verfolgt die Entwicklungen im Anbau aus nächster Nähe. Das aktuelle Sortiment ist im Webshop der FM Group zu finden.